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Wer in deutschen Seen taucht, sollte auf jeden Fall eine
kaltwassertaugliche Ausrüstung verwenden. Angefangen beim Trocki und zwei
einzeln absperrbaren ersten Stufen kam bei mir schnell ein Doppel 7er Paket
dazu. Da kommt ein konventionelles Jacket schnell an seine Grenzen. Ein
Seitenblick zum technischen Tauchen verrät, wie es anders geht.
Mein neues doppel 7er Paket konnte ich zwar irgendwie an mein
normales Jacket dranbasteln – die Ideallösung war das aber nicht. Die beiden
Flaschen sind – im Vergleich zu einer 12er Monoflasche – schwerer, das Jacket wurde
arg strapaziert. Da sich die Blase um ein Doppelgerät nicht so elegant
herumschmiegen kann wie um eine Einzelflasche, gehen im aufgeblasenen Zustand Auftrieb
und Komfort verloren. Die Blase wird zwischen dem Flaschenpaket und dem Rücken
des Tauchers eingezwängt, kann sich nicht richtig entfalten und drückt dem
Taucher in den Rücken. Dazu kommt die Bastelei beim Befestigen des Doppelpacks:
die Rückenpolsterung muss demontiert werden, um anschließend die Flaschen durch
irgendwelche Löcher in der plastilinen Rückentrage mit dem Jacket zu
verschrauben.
Beim technischen Tauchen hat sich weitgehend ein anderes
System durchgesetzt. Die Flaschen werden mit einer massivem Rückentrage aus
Stahl, "backplate" genannt, verschraubt und mittels einer stabilen
Begurtung auf den Rücken geschnallt. Für den Auftrieb sorgt eine zwischen
backplate und Flaschenpaket befestigte Auftriebsblase. Die Blase selbst
verläuft um die Flaschen herum und wird wegen ihrer Form »wing« genannt. Das
backplate stützt die schweren Flaschen gegen den Rücken des Tauchers ab, die
Flaschen sind dem um sie herum verlaufenden wing nicht im Weg, das auch nicht mit
dem Gewicht der Flaschen belastet wird.
Muss man sich beim Kauf eines Jackets Gedanken über einen
Ausrüstungsgegenstand machen, sind es bei der oben beschriebenen Lösung gleich
drei Teile, über die man nachdenken kann: das backplate, die Begurtung und das
wing. Hier gibt es diverse Philosophien und Anbieter, die den unterschiedlichen
Ansprüchen gerecht zu werden versuchen. Mann kann von einem Anbieter ein
komplettes Set erwerben oder sich seine individuelle Konfiguration aus einzelnen
Teilen zusammenstellen. Erfreulicherweise haben sich Standards etabliert, so
dass die es meist problemlos möglich ist, Komponenten unterschiedlicher
Anbieter zu kombinieren.
Im Folgenden möchte ich in auf backplate und Begurtung
eingehen; über wings lasse ich mich dann in meinem Bericht über das DUX Everes 23
aus.
Backplate
Backplates gibt es von zahlreichen Herstellern und aus
unterschiedlichen Materialien. An dieser Stelle alle Hersteller aufzuführen
ginge ein wenig zu weit. An Materialien haben sich Edelstahl, Aluminium und
neuerdings Kohlefaser, neudeutsch Carbon, durchgesetzt. Da ich es für sinnlos
halte, bei Ausrüstungsgegenständen Gewicht zu sparen, das man sich an anderer
Stelle in Form von Blei wieder umhängen muss, kam für mich nur Edelstahl in
Frage. Seewasserbeständiger Edelstahl sollte es sein, V4A bzw. Edelstahl
1.4571. Einige Hersteller schweigen sich allerdings über den verwendeten Stahl
aus.
Bei der Form des backplate und den Bohrungen gibt es kleine
Unterschiede zwischen den verfügbaren Modellen. Im Großen und Ganzen sind sie
sich aber recht ähnlich. Wichtig ist, dass die Löcher zur Aufnahme der Bolzen,
die die Verbindung zur Flasche herstellen, 8mm Bolzen durchlassen und einen
Abstand von 11 Zoll, das sind etwa 30 cm, haben – auf dieses Maß haben sich die
meisten Hersteller festgelegt. Unterschiede bestehen meist in der Tiefe des
Mittelfalzes und der Anzahl der Bohrungen am Rand, an denen Polster oder
Zubehör angebracht werden kann. Weitere Unterschiede sind zusätzliche Bohrungen
und Schlitzen in der Platte oder der Silhouette des backplates, die runder oder
eckiger ausfallen kann.
Unterschiede gibt es auch bei der Herstellung. Sind die Löcher
und Schlitze im backplate etwa gebohrt bzw. gefräst oder mit dem Laser
geschnitten? Laser klingt nach der moderneren Bearbeitungsmethode. Der Nachteil
ist, dass beim Herausschneiden der notwendigen Löcher und Schlitze mit dem
Laserstrahl der Stahl um die Öffnungen herum stark erhitzt wird, was zu
Veränderungen der Stahllegierung führen kann. So kann es passieren, dass sich
um die Öffnungen herum Rost bildet, obwohl es sich eigentlich um rostfreien
Stahl handelt. Beim Bohren und Fräsen bleibt die Temperatur dagegen niedriger.
Unabhängig davon, ob nun mit dem Laser oder dem Bohrer/Fräser gearbeitet wurde,
in beiden Fällen sollten die Ränder der Öffnungen, sorgfältig entgratet werden,
da scharfe Kanten schnell die Bebänderung durchscheuern, die durch die Schlitze
durchgeführt wird. Einige Hersteller fräsen dazu in einem zusätzlichen
Arbeitsgang die Kanten rund, andere passen Kunststoffkanten die in die
Öffnungen ein.
Viele Hersteller sandstrahlen ihre backplates. Zum einen
sollen dabei die Öffnungen entgratet werden, zum anderen erhält man im selben
Arbeitsgang eine matte Oberfläche. Einige Exemplare, die ich mir angesehen
hatte, waren dadurch leider nicht gut entgratet; dafür war die Oberfläche so
rau, dass ich befürchtete, sie könnte den Anzug anschmirgeln. Welche Oberfläche
nun die beste ist, kann ich nicht beurteilen. Jeder Hersteller schwört auf sein
eigenes Rezept. Der eine bescheinigt seiner matten Oberfläche besondere Härte
und Unempfindlichkeit; der andere seiner polierten Oberfläche zusätzlichen Schutz
gegen Rost.
Ein weiterer Unterschied zwischen den angebotenen backplates
besteht in der Materialstärke. Diese schwankt modellabhängig zwischen 2,5 und 6
mm. Ich denke, das 2,5 mm von der Stabilität her sicher ausreichen, halte
stärkeres Material aber für nicht nachteilig. Zum einen sind dickere Platten
schwerer, zum anderen lassen sich in stärkeres Material größere Radien zur
Abrundung der Öffnungen einfräsen.
Das Heser backlate, für das ich mich letztendlich
entschieden habe, ist sehr sorgfältig gefertigt. Es besteht aus 6 mm Edelstahl
und wiegt satte 5 kg. Die Schlitze für die Gurte sind an den Kanten sorgfältig
rund gefräst. Die matte Oberfläche wirkt sehr edel. Es macht rundherum einen
sehr hochwertigen Eindruck.
Begurtung
Um sich so ein backplate samt Flaschen auf den Rücken zu schnallen,
benötigt man geeignete Gurte. Hier werden verschiedene Gurtsysteme angeboten.
Das Spektrum reicht von aufwendig gepolsterten Gurten mit verstellbaren
Schulterschnallen, die gerade über die Schultern verlaufen und durch einen
Brustgurt verbunden werden bis hin zum spartanischen DIR (Do It Right) Harnes,
der einmal angepasst wird und keine weiteren Verschluß- und
Verstellmöglichkeiten bietet. Auch wenn ich weder Tekki noch Anhänger der DIR
Philosophie bin, habe ich mich für die letztere Variante entschieden. Zum einen
hat man so am wenigsten störende Gurte vor Brust und Bauch, zum anderen ist es
die mit Abstand preiswerteste Lösung. O.k., der Komfortfaktor beim An- und
Ausziehen ist nicht sehr hoch; mit ein wenig Übung und der Hilfe des
Tauchpartners geht es aber erstaunlich gut – ein wenig Beweglichkeit im Anzug
vorausgesetzt. Einmal angezogen war ich vom recht hohen Tragekomfort des Ganzen
überrascht. Und es ist wirklich klasse, sich nicht in ein Jacket eingezwängt zu
fühlen. Im Wasser genießt man das Gefühl einer außerordentlichen
Bewegungsfreiheit.
Die mit dem Heser backplate gelieferten Gurte setzten im
Vergleich zu anderen Gurtsystemen, die ich mir angeschaut habe, Maßstäbe. Die
Gurtführung selber ist festgelegt, da "DIR-konform". Aber die
Qualität der mitgelieferten Gurte ist überdurchschnittlich. Ich wusste gar
nicht, dass es so unglaublich stabiles Gurtband gibt. Das
"Zusammenfädeln" der Begurtung entpuppt sich als Herausforderung – das
Gurtmaterial für den Brust- und Bauchgurt ist so dick und steif, dass es einige
Kraft erfordert, es durch die Bleistopper oder gar die Bauchschnalle zu fädeln.
Auch das verschmelzen der Gurtenden ist nicht ganz einfach – von einer Feuerzeugflamme
zeigte sich das Material erstaunlich unbeeindruckt. Erst ein 60 W Lötkolben
konnte das Gurtmaterial erweichen. Ist der Gurt eingefädelt und angepasst,
wirkt das System unglaublich robust und vertrauenerweckend. Doppel 20? Da ist
eher die Stabilität meines Rückens der limitierende Faktor. Der Schrittgurt
besteht übrigends aus beruhigend weichem Material... Die beiliegende
Montageanleitung ist ausführlich, die Bilder könnten aber besser sein.
Fazit
Backplate und Begurtung von Heser sind sicherlich
nicht billig, aber alle Male ihren Preis wert. Material und Verarbeitung würde
ich als überdurchschnittlich bezeichnen.
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