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Back Jac oder Back Lift - das neue Cressi Wing Drucken E-Mail

Ende 2006 wurde das neue Cressi Wing-Jacket unter dem Namen Back Jac eingeführt. Auf der Boot war das Jacket auch unter dem Namen Back Lift zu bestaunen. Schwelt da ein Streit mit dem Hersteller des bekannten Blac Jac?  Wie auch immer, hier ein erster Eindruck...

Beim Back Jac handelt es sich - wie der Name schon nahe legt - um ein Wing-Jacket, bei dem der Auftriebskörper nur am Rücken des Tauchers angeordnet ist. Vor- und Nachteile von Wing-Jackets werden kontrovers diskutiert. Konsens ist meist, daß Wing-Jackets unter Wasser eine gute Schwimmlage gewährleisten, beim Flottieren an der Wasseroberfläche aber weniger komfortabel sind als ADV- oder gar Stabilizing Jackets. Diese ermöglichen an der Wasseroberfläche eine stabilere Schwimmposition, da sich hier die Luft auch unter den Schultern bzw. um die Schultern verteilt, während der rückseitigen Auftriebskörper eines Wings dazu neigt, den Taucher an mit dem Gesicht ins Wasser zu drücken. Ein weiterer oft diskutierter Punkt ist, daß ein Wing weniger "aufträgt", will sagen, da man unter den Schultern keinen Auftriebskörper hat, hat ein Taucher mehr Bewegungsfreiheit als bei einem ADV, bei dem unter Umständen Auftriebskörper, Taschen und Bleisystem auf den Hüften sitzen. Daß ein Wing meist keine nennenswerten Taschen hat, wird ihnen dagegen oft wieder als Nachteil angelastet.

Wings findet man deshalb meist in zwei Kategorien. Tek-Taucher tauchen gern mit Wings, die viel Auftrieb bieten und mit zahlreichen D-Ringen zur Befestigung ihrer umfangreichen Ausrüstung ausgestattet sind. Diese Wings sind groß und schwer gebaut, um die hohen Anforderungen des technischen Tauchens zu erfüllen. Dem gegenüber stehen die sogenannten Reisewings. Mit wenig Auftrieb und schlanker Ausstattung bieten sie ein kleines Packmaß und ein geringes Gewicht.

Das Back Jac ordnet man auf den ersten Blick eher den Reisewings zu. Es wirkt wenig martialisch, fast ein wenig zierlich. Wobei die silberglänzenden Schrauben, mit dem die Schnallen des Bleisystems befestigt sind, schon ein wenig auf Macho machen. Beim näheren Hinsehen gibt es eine Überraschung: obwohl das Jacket recht zierlich wirkt, hat es in Größe L fast 26 Liter Auftrieb.

Angezogen macht das Back Jac meinem geliebten Pro QD Konkurrenz. Sitzt gut, ist komfortabel gepolstert, vermittelt einen hohen Wohlfühlfaktor. Um es tauchfertig zu bestücken, fesseln ein Spanngurt und ein Fangriemen standesgemäß eine die Flasche am Kunststoffgestell. Ein Anti-Rutsch-Pad aus Gummi komplettiert die konventionelle Befestigungsmöglichkeit für Monoflschen. Einzig der Hinweis, daß man den Spanngurt vor dem Spannen naß machen soll, nervt. Gibt es da nicht schon besseres Material, daß sich im Wasser nicht ausdehnt? Für ein Doppelpack sind metallne Ösen vorhanden, so daß die Befestigung mit Bolzen möglich ist.

Jede Bleitasche faßt maximal 4,5 Kilo. In Verbindung mit den Trimmbleitaschen im Rücken sollte jeder genug Blei verstauen können, um sich würdig versenken zu können. Das Einfädeln und Arretieren der Bleitaschen klappt problemlos, daß Einrasten der Schnallen wird mit einem satten Klicken quittiert. Da weiß man: das Blei sitzt. Eine kleine Kante an der Schnalle erleichtert noch das Arretieren. Nicht so gut ist, daß die Bleitaschen selber aus einem großen, mit einem Reißverschluß versehenen Fach bestehen. So kann das Blei in der Tasche rumrutschen, wenn sie nicht voll ist. Die Klettorgien von Mares oder das Band zum Fixieren von Bleistücken wie es SeaQuest in die (größeren) Bleitaschen einnäht, scheinen da solider.

Voll ausgerüstet fühlt sich das Jacket immer noch bequem an. Alles sitzt da, wo es sitzen soll. Die Bleitaschen tragen ein wenig auf, trotzdem ist die Bewegungsfreiheit gut und einem Wing angemessen. Die Schultergurte sind vergleichsweise weit nach vorn gezogen, so daß sowohl die Schnallen als auch die metallnen, gekröpften D-Ringe auf den Schultergurten gut zu erreichen sind. Zwei weitere metallene D-Ringe sitzen unter den Bleitaschen. Über den Bleitaschen gibt es kleine Kunststoff-D-Ringe, an denen Schlauchhalter zur Befestigung von Fini und Oktopus baumeln. Der elastische Bauchgurt läßt sich gut schließen, der darüberliegende Gurt mit der Fastexschnalle ist ebenfalls elastisch und läßt sich gut erreichen. Der Inflatorschlauch ist lang genug und der Inflator baumelt da, wo er gut erreichbar ist. Über der linken Bleitasche ist noch eine Befestigungsmöglichkeit für ein Messer angebracht.

Ein Highlight sind die Taschen. Im eingerollten Zustand sind sie, durch einen Reißverschluß verdeckt, unter den Bleitaschen versteckt und stören nicht. Man muß schon zwei Mal hinsehen, um sie überhaupt zu finden. Im ausgerollten Zustand besitzen sie eine erstaunliche Größe und werden ihrerseits mit einem Reißverschluß sicher verschlossen.

Das Aufblasen des Wings klappt problemlos. Eine Überraschung ist der große Auftriebskörper. Das Außenmaterial der Blase besteht "nur" 500'er Cordura "colorlock" - was auch immer das heißen mag. Die Innenseite der Blase ist sogar nur aus 420'er Nylon gefertigt. Dafür wird die Blase durch Gummibänder im leeren Zustand schön kompakt an das Rückengestell gezogen. Das gibt einen geringen Wasserwiderstand. Trotz der Gummis läßt sich das Wing noch gut mit dem Mund aufblasen. Das Luftablassen klappt dank Inflator und drei Schnellablässen ebenfalls problemlos.

Obwohl es auf der einen Seite mit viel Auftrieb, großen, ausrollbaren Taschen und Edelstahl-D-Ringen klotzt und somit anspruchsvolleren Tauchgängen gewachsen scheint, wirken einige Details dagegen filigran, manches leider billig. Mit dem "dünnen" Material kann ich leben, zumindest wenn die Verarbeitung zeigt, daß belastete Stellen wie Schultergurte etc. verstärkt und solide vernäht sind. Das "dünne" Nylon kommt an Stellen zum Einsatz, an denen wenig Beschädigungsgefahr besteht und bietet den Vorteil, daß es sich sehr kompakt zusammenfaltet. Und auch wenn die D-Ringe nicht das XXL-Kalieber haben, das manche Tekkis bevorzugen, sind sie ausreichend groß und solide. Was mir gar nicht gefällt, ist der schwabbelige Inflatorschlauch, der an der Biegung über der Schulter durch ein ebenfalls sehr fragiles Plastikteil gestützt wird – ohne würde der Schlauch wohl am Knick über der Schulter kollabieren. Auch der Inflator selber wirkt einfach nur billig – man hat schon Angst, ihn feste anzufassen. Im Vergleich zu anderen Jackets fallen auch die Schnellablässe eher zierlich aus. Die Schnüre zur Bedienung der Schnellablässe sind durchdacht geführt, aber auch hier würde etwas stärkeres Material mehr Vertrauen schaffen.

Das Anbringen eines 7 Liter Doppelpacks erfordert ein wenig Bastelei. Wegen der aufwendigen Polsterung muß das Jacket zuerst einmal komplett auseinandergenommen werden um die Bolzen des Doppelpacks an die Bohrungen der Rückenplatte anzupassen. Dabei fällt die durchdache Konstruktion des Jackets auf. Man merkt aber, daß das Jacket primär auf den Gebrauch von Einzelflaschen zugeschnitten ist. Monogeräte sind bis 18 Liter zugelassen, Doppelgeräte bis zwei mal 10 Liter.

Insgesamt gehört das Cressi Back Jac zu einer neuen Kategorie von Wing Jackets, die sich an Sporttaucher wendet, die sich ein Wing wünschen das mehr Ausstattung bietet als ein Reisewing aber nicht die Ansprüche von Tekkis haben. Es steht damit in einer Reihe mit den neuen Modellen anderer Hersteller, die ein ähnliches Konzept verfolgen, etwa dem Knighthawk von Scubapro, dem Icon von Mares, dem Exkursion von Oceanic oder dem Balance von SeaQuest.

Martin Mertens

 
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